Freitag, 10. Dezember 2010


Am 3. Februar 2011 bin ich auf der Ham.Lit zu sehen und zu hören, und zwar um 20 Uhr in der Bar Terrace Hill im Bunker an der Feldstraße in Hamburg St. Pauli. Neben mir, vor mir, hinter mir, kann man auch diverse andere sehr gute Leute im Terrace Hill und im Uebel&Gefährlich sehen und hören, also: hingehen und durchhalten!


Mittwoch, 17. November 2010

Lesung Gängeviertel

Ich lese am Freitag um 20 Uhr aus "Hasenherz", dem ersten (deutschen) Band der Rabbit-Reihe. Ich hoffe, dass, denn noch bin ich krank.

Montag, 8. November 2010

Marathonlesung im Gängeviertel


Bibliothek im Gängeviertel

Vom 19.-21.November haben wir (die Veranstalter im Gängeviertel, K.S.) eine ganz besondere (Veranstaltung) als Soliveranstaltung für die gekürzten Bücherhallen Hamburgs geplant. Wir veranstalten eine Marathonlesung zum Thema Lieblingsbuch, die mindestens 72 Stunden dauert. Tagsüber wird es famienfreundlich und nachts spannend bis frivol mit Matratzenlager und Glühwein. Außerdem basteln wir an vielen Highlights wie einem Soundeffekteisch, szenischen Darstellungen, einer Comiclesung, Livezeichen etc. Da es sich hierbei um eine reine Liebe-zum-Buch- und keine Marketinglesung handelt, wird niemand etwas Selbstverfasstes vortragen. Aber es ist auch spannend zu hören, was die Lieblingsbücher von Autoren bzw. einiger Kultur-Promis, die schon zugesagt haben, so sind.

Ich lese am Freitag, den 19. November irgendwann ich weiß noch nicht was. Ich geb noch Bescheid.


schleifen lassen

Viele Dinge sind passiert. Sachen veröffentlicht. Lesungen stattgefunden. Ich habe nichts berichtet und nichts angekündigt. Ich bin ein schlechter Blogger.

Freitag, 2. Juli 2010

article image

Diese Geschichte von mir ist am ersten Juli im Hosentaschenverlag erschienen. Kann man hier mit anderen auch sehr guten neonfarbenen Heften der Edition erwerben:


und irgendwann auch bei Amazon etc. einzeln. Meine Geschichte ist hübsch neongelb. Also, nischt wie koofen!

Donnerstag, 17. Juni 2010

Es sind im Netz zwei neue Rezensionen aufgetaucht, die sehr sehr schön sind. Die erste im Titel-Magazin, was mich sehr freut:


und die Andere in Literaturkritik.


Ich freue mich schon den ganzen Tag drüber.
Nachbericht

Die Lesungen auf dem Schiff und im Wohnzimmer sind vorbei und waren jut. Ich habe Leute kennengelernt, wie zum Beispiel Moritz Rinke, der einen ziemlichen Eindruck auf die anwesenden Frauen machte, vielleicht wegen seiner Haare und dem "süüüßen" Sprachfehler. Aber so gut habe ich ihn auch nicht kennengelernt, dass ich jetzt was Konkreteres sagen könnte, eigentlich kaum.
Mit Stefan Beuse habe ich im Wohnzimmer von Gerhard Fiedler gelesen, es war für ein Wohnzimmer riesig, eher wie eine Halle und sehr schick, es war auch voll, ausverkauft sogar, und Stefan Beuse ist sehrsehr nett und Lou sowieso auch und G. Fiedler, weil er sein Wohnzimmer hergibt und es alles so schön gemacht hat.
Fotos wären schön, aber ich habe keine, obwohl unentwegt da welche von Fotografen gemacht wurden, wo verschwinden die eigentlich hin?

Donnerstag, 20. Mai 2010

Lesebühne Hamburger Ziegel - Literatur in der HafenCity

Zum sechsten Mal bringt das Literaturkontor im Sommer 2010 Literatur in die Hafencity: Mit der Lesebühne Hamburger Ziegel, auf der junge Talente und alte Hasen neue Texte aus der jährlichen Anthologie "Hamburger Ziegel" vorstellen. An gleich vier Sonntagen heißt es dann wieder bei Musik, einem unvergleichlichen Blick und kühlen Getränken: Anlegen und anlesen!
Zu Gast im Hamburger Hafen waren bisher u.a. Bas Böttcher, Harry Rowohlt, Karen Duve, Frank Schulz, Axel Brauns, Stefanie Schütz, Stefan Beuse, Hendrik Rost, Finn-Ole Heinrich, Lydia Daher, Mirko Bonné, Michael Weins u.v.m.
Die Lesebühne Hamburger Ziegel wurde erstmals im Jahr 2005 in dem Wettbewerb "Kunst und Kultur in die HafenCity", ausgeschrieben durch die HafenCity GmbH, die Hamburgische Kulturstiftung und die Körber Stiftung, prämiert. Seit dem Jahr 2006 werden die Lesungen ermöglicht durch die Hafencity GmbH und das Bankhaus Wölbern.
Die Termine 2010:
Sonntag, 27. Juni - 19 (!) Uhr: Katastrophen mit Kick
Katrin Seddig, Herbert Hindringer, Gerhard Henschel
special guest: Rainer Moritz
Bei Regen: HafenCity Infocenter im Kesselhaus
Sonntag, 25. Juli - 18 Uhr: Was wie so ist
Robert Cohn, Frank Schulz, Henrik Rost
special guest: Nina Jäckle
Bei Regen: Hamburg Cruise Center
Sonntag, 15. August - 18 Uhr: das war ich nicht
Finn-Ole Heinrich - Wiebke Lorenz - Stevan Paul
special guest: Kristof Magnusson (das war ich nicht)
Bei Regen: St. Katharinenschule in der Hafencity
Der Eintritt für alle Veranstaltungen ist frei!
Musik von DJane Miss Alaska

... Und am 14. 6. ebenfalls in Hamburg auf der Altonale mit Stefan Beuse bei der Literaturquickiewohnzimmerlesung, das wird kuschelig!

LITERATUR
Wohnzimmerquickie mit Katrin Seddig und Stefan Beuse, 20 Uhr, Anmeldung über das Büro
der altonale unter Tel. 39 80 69 70 oder per E-Mail unter info@altonale.de, Eintritt 4 €
Ich lese auf dem Schiff im Rahmen der Altonale!!!
Am 6.6. um 18 Uhr:

Literatur Ahoi! mit Jörg-Uwe Albig und Katrin Seddig, 18 Uhr, MS Commodore, Anleger
Neumühlen/Oevelgönne, Karten unter www.altonale.de/Karten oder unter Tel. 39 80 69 70,
Eintritt pro Fahrt 8 / 6 Euro, Eintritt für beide Fahrten 12 / 10 €
Auf Radio Eins, Berlins bestem Radiosender, wurde mein Buch besprochen, Anbei die Kritik und der Link zum Stream.

Danke, Nicole!

Favorit Drucksache vom 30. April 2010

Katrin Seddig: Runterkommen
Eriks Ehe fliegt auseinander und sein Job gleich mit. Eben war er noch ein Hamburger Rechtsanwalt mit dem Daimler in der Garage und allem sonstigen Drum und Dran, jetzt ist er ein Arbeitsloser, der alleine in seinem Haus sitzt und seinen Gartenpflanzen beim Wachsen zuschaut. Auch andere Figuren in diesem Buch gehen durch private Katastrophen, und sie alle scheinen dadurch allmählich aufzuwachen und zu realisieren, dass ihr altes Leben überhaupt nicht zu ihnen passt. Vielleicht kommt nach dem Zusammenbruch, nach dem Ende der Perfektion, nach dem "Runterkommen" eine viel bessere Zeit? Katrin Seddig beschreibt in ihrem Roman das Ende vieler kleiner Eiszeiten, sie erzählt von ganz normalen, unspektakulären Figuren, mit großer Nähe zu diesen Menschen, das macht das Buch zu einem wirklich bewegenden Roman.
Rezension: Frank Meyer

Das schrieb Herr Andre im Abendblatt, sehr nett, finde ich.

PRÄSENTATION
Hamburger Autorin will "Runterkommen"

VON THOMAS ANDRE27. April 2010, 11:18 Uhr
Katrin Seddig gewann schon den Hamburger Literaturförderpreis. Ihrem ersten Roman gab sie den prägnanten Titel "Runterkommen".

Irgendwie kommt einem der vor Jahren erfundene Begriff "Alphamädchen" in den Sinn, wenn man neben Katrin Seddig auf einer Parkbank am Eilbekkanal sitzt. Eine eigenwillige Anführerin, sicher, aber eine Anführerin, mit der man auf den Baum klettern würde, sollte sie das vorschlagen. Solche Ideen hat sie jetzt aber gar nicht, und das Wort "Mädchen" in diesem Zusammenhang würde sie nicht mögen. Einmal hat jemand die Schriftstellerin als Fräuleinwunder bezeichnet. "Das geht gar nicht", so Seddig, "ich bin 40 und Mutter von zwei Kindern."


Katrin Seddig schreibt witzig, unverblühmt und frech. Ihr aktuelles Buch trägt den Titel "Runterkommen".

Katrin Seddig schreibt witzig, unverblühmt und frech. Ihr aktuelles Buch trägt den Titel "Runterkommen".
Foto: Patrick Piel/digit


Was ist also zu tun, um nicht das abgegriffene Schild mit dem Aufdruck "Fräuleinwunder" angeheftet zu bekommen? Darf man vielleicht nicht solche Bücher schreiben wie "Runterkommen", den gerade erschienenen Debütroman der Hamburgerin? Dort geht es ganz und gar nicht um Wunder, sondern um ganz irdische Kalamitäten, in die Menschen geraten, die - wie alle - nach Liebe suchen und nach Sex. Die sich betrinken, miteinander schlafen, sich trennen, wegfahren, wiederkommen. Und Liebeskummer haben. Oder eben keinen. Seddig, die Gewinnerin des Hamburger Literaturförderpreises, die Geschichtenschreiberin, ist eine zierliche Person mit zusammengebundenen Haaren. Man kann ihren Gesichtsausdruck nicht anders als verschmitzt beschreiben. Vielleicht auch frech.

Hamburger Abendblatt
Debütantinnenball im Literaturhaus
"Ich rede ja ziemlich viel", sagt sie. Und redet drauflos. Von ihrer Mutter, die entsetzt ist von ihrem Buch, in dem Seddig vom Wichsen schreibt und vom Ficken, natürlich expressis verbis. Das gefällt der Mutter nicht, wen wundert's. Seddigs Texte sind schnell und authentisch, sie geben nichts auf schöne Formulierungen. Seddig erzählt ausführlich von ihrem Stil, und sie erzählt viel von ihrer Mutter, sie lebt in Brandenburg, wo die 1969 geborene Autorin aufgewachsen ist. Dabei hat Seddig dieses Blitzen in den Augen, das man bei der Lektüre ihres tragikomischen Buchs immer mitliest und auf die Erzählerin überträgt, wenn wieder eine ihrer Pointen sitzt.

In "Runterkommen" treffen skurrile und durch den Alltag taumelnde Gestalten aufeinander, die sich ihren Bizarrerien willenlos überlassen. Erik, der nicht gern arbeitet und seinem Geschlechtstrieb freien Lauf lässt. Dani, die Unberührbare, die wie in einer Blase lebt, niemand darf sie anfassen. Tom, der immerzu heult und die Wirklichkeit nur durch verdunkelte Brillengläser ertragen kann. Margarete, die alt ist und in ihrer eigenen Welt lebt, aber der Tochter Doreen auf der Nase herumtanzt. Sie lieben und hassen sich, diese Figuren; eigentlich ganz schön traurig, das alles. Aber der Absurdität zwischenmenschlicher Beziehungen angemessen. Sie findet, sagt Seddig, dass "man doch so schreiben muss, wie man redet". Eigentlich sei alles so komisch und seltsam, und Buchsprache "ist doch total unrealistisch, vielleicht beherrsche ich sie gar nicht". Und trotzdem sind die Gags in ihrem Buch, die ironischen und bitterbösen Stellen, nicht darauf angelegt, witzig zu sein. "Ich kann das nicht leiden, wenn Scherze nur um ihrer selbst willen gemacht werden", meint sie. Sie mag Comedy überhaupt nicht, und das kann man ja auch verstehen.

Es ist ein knackiges, nur an wenigen Stellen etwas zu längliches Buch, dieses "Runterkommen", das eigentlich "Blätter und Blüten" hätte heißen sollen. Schließlich wuchert der Garten in Niendorf, der in Seddigs Geschichte eine Rolle spielt, mit seinen Gewächsen. Schöne Symbolik, denn so unordentlich der Rasen, so unbürgerlich die Verhältnisse. Zum Schluss kommt es zur Aussöhnung der Generationen, und alle leben unter einem Dach. Seddig ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und arbeitet in zwei Kanzleien. Schreiben würde sie gerne mehr, aber das Geld muss ja irgendwo herkommen. Gleich ist sie mit ihrem Sohn Bruno verabredet ("Der kommt in die Pubertät und fängt an, sich zu stylen"), aber bevor sie losmuss in ihre Wohnung im fünften Stock eines verklinkerten Hauses, sagt sie noch: "Dinge bedeuten mir nicht viel. Eben habe ich eine Postkarte weggeworfen, die mir meine Mutter vor zwei Tagen geschrieben hat. Das darf sie nicht wissen."

Natürlich grinst sie. Und dass es ihr nichts bedeutet, die Romane John Updikes oder die neue Platte von Jochen Distelmeyer im Regal stehen zu haben, mag man nicht glauben. Und was hat es nun auf sich mit dem Fräuleinwunder? Vor zehn Jahren sollte mal eines heraufbeschworen werden, als Judith Hermann, Elke Naters und Sibylle Berg das literarische Feld betraten. Noch weniger Sinn hat selbiges jetzt und Seddig übrigens eine klare Vorstellung von sich selbst: "Ich bin keine Intellektuelle, obwohl ich früher immer der Bücherwurm war." Irgendwann hat sie die Mutter dann ausgesperrt, damit sie mal mit den Nachbarskindern spielt. Da ist sie wieder, die Mutter, von der sie so viel spricht und die sie mag wie ihren Vater. Über die sie den Kopf schüttelt, wie es Kinder eben nun mal tun.

Katrin Seddig: Runterkommen (Rowohlt Berlin), 383 Seiten, 19,95 Euro

Donnerstag, 8. April 2010

Und ein Buchtip aus der "Freundin", leider auch wieder ohne Autorenangabe:

"Eines gleich vorweg: Wer in leicht romantischer Lektüre schwelgen möchte, der sollte "Runterkommen" (Rowohlt Berlin, 19,95 Euro) tunlichst beiseitelegen. Denn die Liebe präsentiert sich in Katrin Seddigs Roman vor allem in ihren Irrungen und Wirrungen. Da ist Erik, eigentlich ein erfolgreicher Anwalt und Familienvater, der sich spontan für eine Unbekannte an seinem Fenster begeistert und vor ihr onaniert. Die Fremde, eine Putzfrau namens Dani, verliebt sich in eben jenen Exhibitionisten. Karin, Eriks Frau, verlässt nach einer kurzen Affäre mit einem Animateur den abtrünnigen Ehemann ... Klingt böse? Stimmt. Aber Katrin Seddig blickt so augenzwinkernd liebevoll auf ihre strauchelnden Charaktere, dass deren Lebenschaos auch ungeheuer unterhaltsam ist."

Das fand ich im Netz. Es ist aus der Zeitschrift "annabelle". Leider ist kein Autor angegeben.

"

Im freien Fall

Alles geht den Bach runter, dass es eine schiere Freude ist. Das Haus versinkt im Dreck, und der Garten hat sich in einen Urwald verwandelt. «Das Gras steht meterhoch auf seinem eigenen, verwesenden Humus, die Büsche haben sich ausgebreitet, bilden Höhlungen, sind Unterschlupf für unsichtbare Lebewesen, merkwürdige Pflanzen haben es sich bequem gemacht und auch viel mehr Tiere als früher. Vor kurzem hat er eine Schlange gesehen.» Der Sohn ist über seinen drei geleerten Flaschen Rioja eingeschlafen, eine Maus läuft über dicken Teppichflor und schleift noch das Staniolpapier der angeknabberten Schokolade hinter sich her. Die Mutter ist inzwischen ausgezogen aus dem vormals recht gutbürgerlichen Heim mit grossem Garten, finanziert vom Anwaltsgatten. Der ist seinen Job jetzt los, er lebt mit einer Kneipensexbekanntschaft, ihrer dementen Mutter und seinen Kindern im fröhlichen Verfall. Schrecklich? Nicht unbedingt. Jetzt, wo alles und alle komplett runtergekommen sind, zieht endlich so etwas wie Gemütlichkeit ins Vorortsleben ein. Ein feiner, wild wuchernder und versöhnlicher Liebesroman.

Katrin Seddig: Runterkommen. Rowohlt-Verlag, Reinbek 2010, 384 Seiten, ca. 34.90 Franken"



Lesung im Literaturhaus in Hamburg. War schön, hat Spaß gemacht, obwohl ich erst nicht so Lust hatte. Das Abendblatt hat was Nettes geschrieben:

"Katrin Seddig, der zweiten und in Niendorf lebenden Debütantin, wäre zu wünschen, dass der Verlag (Rowohlt Berlin) ihren Roman "Runterkommen" mehr bewerben würde. Denn Seddig, die 2008 den Hamburger Förderpreis für Literatur erhielt, erzählt in einer so wundervollen Prosa vom Verfall eines Anwalts, dass der Leser nicht weiß, ob er lachen oder weinen soll. Nach Ranks melancholischer Twentysomething-Tristesse ist "Runterkommen" ein interessanter Gegenpol - die Anfangsvierziger erscheinen als skurrile, egoistische und derbe Tragikomiker. Der Beste von ihnen ist Anwalt Erik. Er verliebt sich in die Putzfrau Dani, die im Nachbargarten campiert und zu Erik hinüberstarrt. Dieses Starren gefällt Erik so gut, dass er ganz prächtig erigiert. Ja, tatsächlich! Die Erregung, die Begeisterung lässt ihn zuschanden gehen. Frau und Kinder verlassen ihn, dabei sucht Erik doch nur Liebe."

(Thomas Andre)


Montag, 22. März 2010

Erschienen in der Taz vom 18.3.2010

Komm in den verwilderten Garten

AUFTAUEN Nah dran an den Figuren: Die Debütantin Katrin Seddig beschreibt Selbstfindungen unter schwierigen Umständen - "Runterkommen"

Das Rosenstübchen ist schon ein spezieller Ort. Plastikschneeglöckchen bringen einen Tupfer Dunkelweiß ins nikotinsatte Braun der Kneipe irgendwo in Hamburg. Doreen, die Wirtin, glänzt mit einem großen Ausschnitt, wechselnden Affären, und jeder der Stammgäste weiß Bescheid.

Nicht gerade das Ambiente, das für Selbstfindungsprozesse ideal erscheint. Und doch ist genau diese Kneipe in Katrin Seddigs Debütroman "Runterkommen" der Ort, an dem Erik, einem Anwalt, der jeden Geschmack am eigenen Leben verloren hat, die ersten Stücke aus seinem selbst gezimmerten Panzer aus Gleichgültigkeit brechen. "Kaum ist man drin, schon ist man drin", beschreibt Seddig seine erste Ankunft im Rosenstübchen. Er fühlt sich etwas overdressed zwar, aber doch gleich von den richtigen Fragen angesprochen. "Solche Dialoge gefallen ihm. So müsste das Leben laufen. Bier? Ja. Schlafen? Ja. Frau Meske? Nein. Pinkeln? Ja. Büro? Nein. Sex? Ja."

Aber so läuft das Leben eben nur in Ausnahmefällen. Dass sie die Sehnsucht nach klaren Ansagen und eindeutigen Entscheidungen teilen, bringt Doreen und Erik, Doreens Cousine Dani und den Künstler Tom zwar zusammen, aber einfach sind ihre Beziehungen dann doch nie. Meistens sogar zum Verzweifeln kompliziert. Dani zum Beispiel erträgt keine körperlichen Berührungen. Das heißt aber nicht, dass sie sich nicht verlieben kann, nur dass ihr Kopf dabei die Rolle des Körpers übernehmen muss. Ihrer nie zu befriedigenden Begehrensstruktur verdankt der Roman einige skurrile, traurige und dennoch auch verführerische Szenen. Der Augensinn, fremde Nacktheit, durch ein Fernglas beobachtet, spielt dabei ebenso eine Rolle wie stellvertretende Befriedigung.

Dieser ungewohnte Blick auf den Sex, der keinerlei exotischer Aufpäppelung bedarf, um anrührend zu sein, ist eine der erzählerischen Stärken der Autorin. Katrin Seddig, knapp Anfang vierzig, besticht aber auch durch den äußerst knappen Duktus ihrer Sprache, die stets nah dran an den Figuren ist, einen oft sogar in deren Fühlen und Denken gerade dort mitschwimmen lässt, wo sie sich unsicher und nur zentimeterweise vorantasten.

Was an Konflikten anfällt, fällt im Leben eben so an. Zum Beispiel, dass Erik mangels Ehrgeiz seinen Job als Anwalt verliert. Bevor Danis brennende Blicke ihn aus seinem Dornröschenschlaf reißen, will er eigentlich nur seine Ruhe haben. Solche Gemütslagen nicht zu verspotten, sondern zum Ausgangspunkt einer Geschichte des Auftauens, einer sich langsam wieder schärfenden Wahrnehmung der Außenwelt zu nehmen, verrät eine große Liebe zum Alltäglichen. Man möchte diese Figuren gern wie eine Familie zusammenhalten und keinen aus den Augen verlieren. Am Ende führt die Autorin eine Situation herbei, in der das sogar möglich ist. Am Kaffeetisch im verwilderten Garten von Eriks Einfamilienhaus tauchen nicht nur seine geflüchteten Kinder, sondern auch alle anderen wieder auf. Das ist zwar etwas viel Wunscherfüllung. Gern liest man das trotzdem.

KATRIN BETTINA MÜLLER

Sonntag, 21. März 2010

Literatur-Quickie Nr. 111

Mittwoch, 24. März, 22.30 Uhr

Katrin Seddig nur 17 Minuten lang

in der Bar 439, Vereinstraße 38, Hamburg

Eintritt frei

Hurra, Katrin Seddig wird berühmt!

Als sie vor über einem Jahr bei uns auftrat, wusste jeder, wenn aus der nichts wird, aus wem dann! Ihre Geschichten waren anders und besser. Damals hatte sie noch nichts veröffentlicht. Jetzt ist ihr Roman „Runterkommen“ erschienen. Großartig! Und auf dem Weg zum Ruhm kommt sie noch einmal bei uns vorbei. Kurzfristig eingesprungen als Ersatz für einen anderen Autor. Was für ein Glücksfall. Katrin bei uns auf dem Barhocker eine Augen- und Ohrenweide.

Die kürzeste Lesung der Welt, den Literatur-Quickie gibt’s jeden Mittwoch. Das Literatur-Leckerli vorm Schlafengehen. Immer nur 1 Autor für nur 17 Minuten. Und wem es gefallen hat, der tut was für die Autorin in den Hut.

www.literatur-quickie.de

Leipzig

Mittwoch, 17. März 2010


Meine Mutter rief mich an, weil sie mein Buch gelesen hat. Sie fragt sich, was ich alles für schreckliche Dinge erlebt haben mag, um so etwas schreiben zu können (sie meint Sex). Sie ist der Meinung, dass das kein schönes Buch sei, aber, meint sie, um mich zu trösten, es ist nun auch mein erstes Buch und beim nächsten würde es sicherlich alles besser werden und ich schönere Sachen schreiben. Mein Vater hat nur die erste Seite gelesen und ist dann zu der Erkenntnis gekommen, dass er lieber bei Karl May bleibt, was sein Lieblingsschriftsteller ist.


Am zwölften März ist endlich mein Buch erschienen. Hurrahh!! Es liegt, soweit ich das sehen konnte, überall in den Buchläden rum und wird hoffentlich gekauft.
Am 6. 4. bin ich, gemeinsam mit zwei weiteren Hamburger Autorinnen, Julia Gäbel und Elisabeth Rank, um 20 Uhr im Literaturhaus Hamburg zu sehen und zu hören.

Mittwoch, 10. Februar 2010


In der Februarausgabe von DAS MAGAZIN ist eine Erzählung von mir erschienen: "Wo Zeit sich nur so windet".

96Wo Zeit sich nur so windet
Erzählung

Das wilde Heimkind von damals ist eine Frau
geworden. Sie will Absolution

Autor: Katrin Seddig


Am 1.2.2010 hat Lou Probsthayn im Literatur-Qickie Verlag mein erstes ganz, ganz kleines Buch veröffentlicht! Es kostet 3 Euro und kann samt den anderen ganz wunderschönen Bücherlein im Buchhandel, in Kneipen und bei Amazon erworben werden. So süß!



Am 12. 03. 2010 erscheint bei Rowohlt Berlin mein erster Roman: "Runterkommen".


Anfang

Blog anfangen ist schwer. Ich mache hier mal... Ich will hier... Ich habe mir vorgenommen...

Ich lege einen ganz kleinen Stein auf die Erde und sage, der ganz kleine Stein ist der Anfang von Allem in alle Richtungen. Wenn ich eine Website kriege, dann nehme ich einen Schwamm und wische alles wieder weg, in alle Richtungen. Es ist nur Information. Es ist alles nichts wert. Nur ganz kurz mal zur Information für die Leude.

"Tritt ein. Bring Glück herein" (Fußabtreter von Dani's Nachbarin im elften Stock)